Landtagsabgeordneter Michael Simon zu Besuch: Inklusion erfordert große Anstrengungen

Michael Simon zu Besuch bei der Kinder-, Jugend-, Familien- und Wohnungslosenhilfe

Ein Blumenstrauß nachträglich zum 50. Geburtstag für Michael Simon.

„Politik ist immer auf die Expertise aus der Praxis angewiesen.“ Um sich das notwendige Expertenwissen einzuholen, nutzt Michael Simon, SPD-Abgeordneter im Landtag Rheinland-Pfalz, die parlamentarische Sommerpause und nimmt Einblick in soziale Einrichtungen der Region. Beim Besuch des Café Bunt, einer Einrichtung des Geschäftsfelds Kinder-, Jugend-, Familien- und Wohnungslosenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie, interessierte den studierten Sozialpädagogen vor allem, wie die Einrichtungen durch die Pandemiezeit gekommen sind und wo derzeit die besonderen Herausforderungen liegen. Mit Blick auf die Maßnahmen der Corona-Pandemie gestand er: „Die Einrichtungen für Wohnungslose und die der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe hatten wir anfangs nicht auf dem Schirm.“ So gab es im vergangenen Jahr keinerlei Kompensation für den Mehraufwand an Tests, Mundschutz, Masken und vielem anderen mehr berichtet Jennifer Möllers, Leiterin des Geschäftsbereichs. Der zusätzliche personelle Einsatz, der zum Beispiel durch das Home-Schooling für die Kinder und Jugendlichen in den stationären Gruppen zu leisten war, führte die Einrichtungen an die Grenze der Belastbarkeit.

Insgesamt liegen die Herausforderungen der Jugend- und Familienhilfe für die nahe Zukunft in der Umsetzung des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG), das eine inklusive Hilfe für junge Menschen mit und ohne Behinderung vorsieht, sowie im neuen Kita-Gesetz des Landes Rheinland-Pfalz, das gerade in Kraft getreten ist. In der Jugend- und Familienhilfe sind derzeit die Angebote der Eltern-Kind-Gruppen stark nachgefragt. „Häufig sind es Mütter mit einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen Behinderung, die wir in unseren Gruppen betreuen und die aufgrund ihrer besonderen Bedarfe zum Teil sehr lange bleiben“, berichtet Möllers. Pflegeeltern, die auch in Notfallsituationen Kinder aufnehmen können, sind weiterhin sehr gesucht: „Zum Teil müssen fünf, sechs oder mehr Kinder aus einer Familie rausgeholt werden“, berichtet Simon, dessen berufliche Heimat das Jugendamt der Kreisverwaltung Mainz-Bingen ist. Möllers betonte, dass im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe fortlaufend neue Angebote geplant oder weiterentwickelt werden, sofern die Bedarfslage der Klienten oder eine Änderung der Gesetzeslage dies erforderlich machen.

Im Fokus des Gesprächs stand zudem das Kinderhaus Arche der Stiftung kreuznacher diakonie. Zum Kinderhaus gehören neben Krippen- und Hortbereich die vier integrativen Gruppen der Kindertagesstätte, in der 20 Kinder mit Behinderungen Platz und besonders intensive Betreuung finden. Die Nachfrage kann hier kaum gedeckt werden. Zudem organisiert der Inklusionsfachdienst die ambulante und wohnortnahe Begleitung von Kindern in Kindergärten und Schulen in Stadt und Landkreis Bad Kreuznach sowie in den Landkreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms. Kontrovers diskutierten die Teilnehmenden das neue Kita-Gesetz des Landes Rheinland-Pfalz, das seit 1. Juli 2021 gilt. Alle waren sich einig, dass das neue Gesetz den Kindertagesstätten qualitative Fortschritte bringt: „Als Sozialdemokrat stehe ich voll hinter dem Gesetz“, betonte Simon, während Möllers auf die weiterhin unklare Finanzierung und die fehlende Rahmenvereinbarung zwischen Land, Kommunen und freien Trägern verwies.