Bad Kreuznach | Angehende Diakone wissen Fächerkanon zu schätzen

Andacht in der Diakonen-Ausbildung

Die Schüler*innen gestalten regelmäßig Andachten

Das erste Vierteljahr liegt hinter den Schülerinnen und Schülern der Diakonen-Ausbildung der Stiftung kreuznacher diakonie. Fünf Frauen und ein Mann haben sich dazu entschlossen, den zweijährigen berufsbegleitenden Ausbildungsgang zu absolvieren, an dessen Ende die Einsegnung zur Diakonin beziehungsweise zum Diakon steht. Im frühen Christentum achteten die Diakone auf das gemeinsame Vermögen der Gemeinde und organisierten die gemeinsamen Mahlzeiten. Heute umfasst der Diakonat neben der sozialpflegerischen Fachausbildung eine diakonisch-theologische Qualifikation und ist ein geistliches Amt in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).

Im ersten Ausbildungsjahr stehen unter anderem Fächer wie Altes Testament, Katechetik, Homiletik und auch Betriebswirtschaftslehre auf dem Stundenplan, nach den Sommerferien erwartet die Gruppe ein anderer Fächerkanon. Die Beweggründe, diese Ausbildung zu beginnen, sind vielfältig: Maresa Biesterfeld will das, was sie jahrelang ehrenamtlich gemacht hat, nach dem Abschluss hauptamtlich umsetzen. Sie arbeitet außerhalb der Stiftung kreuznacher diakonie für einen ambulanten Hospiz-Dienst. „Ich habe mich immer für Kirche und Glauben interessiert und die Ausbildung bietet ein fundiertes Rundum-Sorglos-Paket, das Spaß macht“, sagt sie. Ein Lieblingsfach kann sie nicht benennen, aber dass Betriebswirtschaftslehre dabei ist, ist für sie wichtig, weil „die finanziellen Fragen am Hospiz nicht vorbeigehen“.

Pauline König, Teamleiterin im Paulinum auf dem Stiftungsgelände in Bad Kreuznach, hat im Moment ein eindeutiges Lieblingsfach: Altes Testament. „Der Dozent, Pfarrer Wolfgang Steuckart, beschäftigt sich intensiv mit uns. Das ist klasse!“, findet sie. Welche biblischen Geschichten sind belegbar? Warum stehen diese Geschichten so in der Bibel? Wo gibt es Parallelen zu anderen monotheistischen Religionen? Solche Fragen erschließt sich die Gruppe gerade gemeinsam. Den Grundkurs, der die Voraussetzung zum Oberkurs bildet, hat Pauline König, die in der Behindertenhilfe tätig ist, schon vor einigen Jahren absolviert. Jetzt war die Zeit reif, auch die Diakonen-Ausbildung anzugehen.

Bei einem christlichen Arbeitgeber ist es Tobias Gotre ganz besonders wichtig, dass „wir den Glauben mit in die Arbeit bringen können“. Der Sozialarbeiter, der in den Hospizen der Stiftung kreuznacher diakonie in Bad Kreuznach und Simmern im Einsatz ist, ist sich sicher, dass er das neue Wissen künftig in jedem Bereich anwenden kann. Bisher habe es noch wenig Online-Unterricht gegeben, freut er sich. Dass sich die Dozenten richtig Mühe geben und auf alle Fragen eingehen, weiß er zu schätzen. 

Erzieherin Stephanie Kreischer, die in Meisenheim mit Menschen mit Behinderung arbeitet, hatte die Diakonen-Ausbildung schon einmal begonnen – „letztendlich kam mir aber das Leben dazwischen“. Immer wieder habe sie über eine Fortsetzung nachgedacht – letztendlich hat ihr Chef gedrängt: „mach´s doch jetzt endlich fertig!“ Dass die Stiftung kreuznacher diakonie in Kooperation mit der EKiR die Schülerinnen und Schüler für die Diakonen-Ausbildung freistellt, „macht die Sache unheimlich einfach“, sagt sie. Das sei ein Geschenk, weil sich die Frage der Finanzierung eines solchen Abschlusses gar nicht stelle.

Ihre Kollegin, Birgit Hofmann, die ebenfalls in Meisenheim arbeitet, ist extra für die Diakonen-Ausbildung zur Stiftung kreuznacher diakonie gewechselt. Sie genießt das Zusammenwachsen ihres Kurses. „Wir finden uns gerade und ich mag den großen Freiraum, der uns in einem breiten theologischen Rahmen gelassen wird.“ Die Diakonen-Ausbildung hat sie angefangen, weil sie „gern ganzheitlicher im Glauben unterwegs sein möchte.“ Daher war der Wechsel zu einer christlichen Arbeitgeberin wie der Stiftung kreuznacher diakonie für sie folgerichtig. Diese wiederum weiß so viel Motivation zu schätzen. „Ich freue mich mit jedem Kurs, wie hier gelernt und erfahren wird, den persönlichen Glauben auch in der Arbeit für andere fruchtbar machen zu können. Diese Ausbildung ist eine große Chance für den Einzelnen und die angehenden Diakoninnen und Diakone ein Geschenk für uns als Arbeitgeberin“, so die Theologische Vorständin Sabine Richter.

Info:

Nach dem Basiskurs absolvieren angehende Diakoninnen und Diakone einen zweijährigen Oberkurs.  Montags und dienstags ist Unterricht, den Rest der Woche arbeiten sie in ihren sozialen Berufen. Dort kommen nach der Einsegnung dann auch ihre neu erworbenen Fähigkeiten zum Tragen: Seelsorgegespräche, die Gestaltung von Andachten, die spirituelle Begleitung von Menschen und vieles andere mehr gehören dann zu ihren Aufgaben. Nähere Infos bekommen sie bei der Leiterin der Diakonen-Ausbildung, Diakonin Doris Borngässer, Telefon 0671/605-3260.