Bad Kreuznach / Niederwörresbach | Familien und ihre Potentiale im Fokus

Frau mit Kind spielen draußen

Die Familie ist der Schlüssel zum Verständnis von Verhalten und Erleben des Kindes

Im Laufe des Sommers rücken die Handwerker an: Das Stammhaus der Jugendhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie in Niederwörresbach braucht eine umfassende Sanierung. „Ich freue mich, dass der Bauantrag genehmigt ist und wir nun die nächsten Schritte einleiten können“, sagt Jennifer Möllers, Leiterin für den Geschäftsbereich Jugendhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie.

„Das alte Fachwerkgebäude mit dem markanten Tor ist nicht nur das Stammhaus für die Jugendhilfe in der gesamten Region, sondern gleichzeitig von bauhistorischer Bedeutung und prägend für den Ortskern von Niederwörresbach,“ berichtet Wolfgang Hey, ehemaliger Landrat des Kreises Birkenfeld und Experte für die Regionalgeschichte des Hunsrücks. „Die Einrichtung eines ‚Heimes für arme Mädchen‘ 1845 durch den Herrsteiner Pfarrer Friedrich Adolf Koch in seinem Elternhaus in Niederwörresbach war eine sozialhistorische Pioniertat von überregionaler Bedeutung“, erklärt er. „Sie zeugt noch heute von menschlichem Mitgefühl, Weitsicht und mutigem Handeln.“

Die heutige Stiftung kreuznacher diakonie begann ihre Arbeit dagegen erst 1889 in Bad Sobernheim, 1894 übernahm sie das Haus in Niederwörresbach. „Damit war im linksrheinischen Gebiet der Grundstein für das Wirken der Diakonie, in unserem Raum und darüber hinaus, gelegt“, unterstreicht Hey die Bedeutung der Einrichtung am Rande des Hunsrücks.

Zwischen dem „Rettungshaus“, das anfangs rund 20 Mädchen versorgte, und der heutigen, differenzierten und an verschiedenen Standorten tätigen Jugendhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie liegen nicht nur 177 Jahre, sondern auch ein kontinuierlicher Wachstums- und Modernisierungsprozess. „Eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre ist ein verändertes pädagogischen Verständnis. Heute sehen die Erzieherinnen in der Familie des Kindes den Schlüssel zum Verständnis seines Verhaltens und Erlebens“, erklärt Diplom-Pädagogin Sonja Orantek, die fast ihre ganze berufliche Laufbahn in der Jugendhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie verbracht hat. Während in der Anfangszeit die Verpflegung armer und häufig elternloser Kinder und ihre nützliche Beschäftigung in Haushalt und Landwirtschaft

im Mittelpunkt standen, gilt es heute familiären Krisensituationen und Erziehungsschwierigkeiten zu begegnen. Ziel ist immer, die Familie so zu befähigen und zu stärken, dass das Kind zurück in sein Zuhause kann. Eine Orientierung nicht an dem, was misslingt, sondern an den vorhandenen Fähigkeiten und Potentialen, eröffnet die Chance, dass sich Kinder, Jugendliche und ihre Familien als kompetent erfahren. So können sie Lösungen finden und Wachstum erleben. „Schon seit den 1990er Jahren erhalten alle pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechende Fortbildungen – die Akademie der Stiftung kreuznacher diakonie hat dazu eigens ein Qualifizierungsprogramm entwickelt“, berichtet Orantek.

Damals wie heute konfrontieren gravierende gesellschaftliche Entwicklungen die Jugendhilfe fortlaufend mit neuen Aufgaben und Herausforderungen. Wachsende soziale und Bildungsungleichheit, Flucht und Migration prägen heute das Leben junger Menschen und ihrer Familien. „Kinder, die aus einem Umfeld mit hohem Armutsrisiko stammen, haben erheblich weniger Chancen auf Teilhabe im Sport- oder Musikverein, Chor, Jugendgruppe oder bei anderen Hobbys“, sagt die erfahrene Pädagogin. Diese Aktivitäten prägen aber die jungen Menschen und tragen zu einer gelingenden Zukunft bei. „Hier versuchen wir als Jugendhilfe gegenzusteuern und die Kinder und Jugendlichen in örtlichen Vereinen zu integrieren und ihnen später bei Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten behilflich zu sein.“ Die gute Vernetzung in den Orts- und den Verbandsgemeinden ist dabei eine große Hilfe.

Stillstand kam in der langjährigen Geschichte der Jugendhilfe in Niederwörresbach nicht vor. „Die Angebote passen wir ständig den Erfordernissen und in Absprache mit den anfragenden Jugendämtern an“, erklärt Orantek, die lange Zeit die Jugendhilfe in Niederwörresbach leitete und mittlerweile für die Bad Kreuznacher Einrichtungen verantwortlich ist. Gegenwärtig steht im Mittelpunkt der fachpolitischen Diskussionen die Frage, wie die mit dem „Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen“ (KJSG) im Jahr 2021 angelegte Perspektive hin zu einer inklusiven Öffnung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung oder Beeinträchtigung in der Jugendhilfe umgesetzt wird. „Die Entwicklung ist sehr positiv“, sagt Orantek, „gleichzeitig sind weitere personelle Ressourcen notwendig, um die Anforderungen umzusetzen.“ Schon jetzt leidet die Jugendhilfe massiv unter dem Mangel an ausgebildeten pädagogischen Kräften, den nicht nur das KJSG, sondern auch das Kita-Zukunftsgesetz und der ab 2028 geltende Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in der Grundschule verstärken. Zwischen Birkenfeld und Kirn beschäftigt die Jugendhilfe Niederwörresbach derzeit 117 Mitarbeitende in Voll- und in Teilzeit und ist regelmäßig auf der Suche nach qualifizierten pädagogischen Fachkräften.

Die Instandsetzung des Stammhauses und die umfassende Sanierung weiterer Gebäude auf dem Niederwörresbacher Campus bedeuten den nächsten Schritt in die Zukunft der Jugendhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie. „Mit der Investition auf unserem großen Gelände mit Hochseilkletterpark und vielen Bewegungsmöglichkeiten bieten wir Kindern und Jugendlichen auch weiterhin ein lebendiges Zuhause auf Zeit und stärken Eltern und Kinder, die eigenen Möglichkeiten zu entfalten“, unterstreicht Geschäftsbereichsleiterin Jennifer Möllers.

Spenden

Trotz der beantragten Fördermittel muss die Stiftung kreuznacher diakonie einen erheblichen Eigenanteil zu den Sanierungskosten aufbringen. Wenn Sie zum Erhalt des Stammhauses der Kinder- und Jugendhilfe beitragen möchten, freuen wir uns über eine Spende auf das Spendenkonto IBAN DE50 1006 1006 1006 1006 40, Stichwort Stammhaus. Spenden ohne Mehrkosten können Sie auch bei Ihrer Shopping-Tour im Internet. Wie das geht? Melden Sie beim nächsten Einkauf im Internet auf der „Gooding“-Plattform – www.gooding.de“ – an! Hier spendet einer von rund 1.800 registrierten Online-Shops für den vom Kunden gewählten Spendenzweck, als Kunde oder Kundin bezahlen Sie keinen Cent mehr. Bitte wählen Sie beim Einkauf über „Gooding“ das Projekt „Niederwörresbach“​​​​​​