Zur Startseite
Stiftung kreuznacher diakonie
Bad Kreuznach
  • kreuznacher diakonie bei YouTube
  • kreuznacher diakonie bei Twitter
 

Gehirn-Computer-Interaktion in der Praxis

Veranstaltung zum TOBI-Projekt im Luthersaal der Stiftung kreuznacher diakonie
Friedrich Dringelstein (links) komponierte während der Veranstaltung mit Hilfe seiner Hirnströme das Bild im Hintergrund, rechts: Pit Staiger-Sälzer, Leiter der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation des Rehabilitationszentrum Bethesda kreuznacher diakonie

Hoffnung für Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen

Kaum vorstellbar: Auch die letzten Bewegungsmöglichkeiten des Körpers, wie das Blinzeln mit den Augen oder die kleinste Fingerbewegung, versagen ihren Dienst und einem ansonsten bei vollem Bewusstsein befindlichen Menschen wird es unmöglich, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren. „Wir arbeiten daran, dass niemand in eine solche Situation kommt“, erläuterte Pit Staiger-Sälzer, Leiter der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation des Rehabilitationszentrums Bethesda kreuznacher diakonie (BUK) die Arbeit im Projekt TOBI.

Tools for Brain-Computer Interaction (TOBI) heißt ein europaweites, EU-gefördertes Projekt, das die BUK bei einer Tagung am Freitag, den 07.05.2010 im Luther Saal der Stiftung kreuznacher diakonie vorstellte. Neue hirnstromgesteuerte Hilfsmittel für Menschen mit gravierenden Einschränkungen der Motorik sollen in dem vierjährigen Projektzeitraum getestet und zur Produktreife entwickelt werden.

Wissenschaftler/-innen aus ganz Europa eingebunden
Die mittels Hirnaktivität gesteuerten Anwendungen sollen bereits vorhandene Hilfsmittel unterstützen und ergänzen, erläuterte Professor Dr. Andrea Kübler von der Universität Würzburg. Sie werden in vier Bereichen für bewegungseingeschränkte Menschen von Nutzen sein. So wird es Menschen Kommunikation ermöglichen, die über die Hirnstromsteuerung Daten in den PC eingeben und sich so schriftlich ausdrücken können. Weitere angestrebte Funktionen sind die Steuerung von Prothesen und die Wiederherstellung von Bewegungsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall. Auch an Unterhaltung hat TOBI gedacht: So lässt sich über die Hirnstromsteuerung einen Internetbrowser bedienen, ein Fotoalbum auf dem PC durchblättern oder Tetris spielen.

Anwenderfreundlichkeit  im Mittelpunkt
Diplom-Psychologin Claudia Zickler von Universität Tübingen erläuterte, wie von der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation betreute Menschen mit Behinderungen in das TOBI – Projekt eingebunden werden. Ohne fortlaufende Tests an geeigneten Versuchspersonen, Auswertungen, Rückmeldungen und Nachbesserungen lässt sich das praxisorientierte Konzept nicht umsetzen. Einige der von der BUK betreuten potentiellen Endnutzer haben bereits Erfahrung im Testen von Hilfsmitteln und wissen, wie anstrengend die Hirnstromkontrolle ist. Auch Betreuer/-innen wie Ergo- und Physiotherapeuten sind einbezogen, denn die größtmögliche Funktionalität und Anwenderfreundlichkeit zu erreichen, sagte die Tübinger Wissenschaftlerin, sei das erklärte Ziel des vierjährigen TOBI-Projekts.

Kunstwerk über Hirnstromaktivität gestaltet
Dass auch künstlerisches Arbeiten über Hirnstromaktivität am PC möglich ist, zeigte Friedrich Dringelstein, Techniker der BUK, während der Veranstaltung. Er war kontinuierlich über Elektroden mit seinem Laptop in Interaktion und „malte“ ein Kunstwerk, das am Ende per Beamer auf die Leinwand projiziert wurde.

Gehirn-Computer-Interaktion

Gehirn-Computer-Interaktion ist das Stichwort. Die Idee dahinter: Nervenzellen im Gehirn produzieren messbare Ströme und Spannungsschwankungen, die beispielsweise in einem Elektroenzephalogramm (EEG) sichtbar gemacht werden können. Wahrnehmungen, Bewegungen - aber auch die Vorstellung von Bewegungen - erzeugen spezifische Veränderungen der Hirnströme und verursachen typische EEG-Muster. Durch Training können Menschen lernen, den Verlauf von Hirnströmen willentlich zu kontrollieren. Werden die Hirnaktionen über den Computer verarbeitet, können sie mit Hilfe dieser Gehirn-Computer-Interaktion reagieren, wenn alle sonstigen Möglichkeiten zur Kommunikation versagen.






Schriftgrad ändernKontrast ändern