5 Jahre Fachberatungsstelle Wohnraumsicherung
IDAR-OBERSTEIN. Die Fachberatungsstelle Wohnraumsicherung der Stiftung kreuznacher diakonie besteht seit fünf Jahren. Das Ziel: Menschen vor der Wohnungslosigkeit zu bewahren. Am Donnerstag, 10. September, 10 bis 13 Uhr, ist nun ein Tag der offenen Tür in der Amtsstraße 4 in Idar-Oberstein geplant.
Kurz vor dem Tag der Wohnungslosigkeit am 11. September soll die Öffentlichkeit über das Angebot informiert, aber auch Kontakte geknüpft werden, die für die Arbeit, die hier geleistet wird, wichtig sind. Tanja Theis, die Leiterin in Idar-Oberstein, weiß: „Wohnungsverlust lässt sich in den allermeisten Fällen verhindern, wenn Betroffene uns frühzeitig kontaktieren.“ Denn hier wird – und das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor - auf ein engmaschig geknüpftes Netzwerk zurückgegriffen, um die oft multiplen persönlichen Problemlagen aktiv anzugehen.
In diesem Netzwerk sind unter anderem Schuldnerberatung, Ärzte, Suchtberatung, Migrationsberatung, Bewährungshilfe, Sozialämter und Jobcenter. Die Fachberatungsstelle greift ein, bevor es zu spät ist. Das Angebot ist für Betroffene kostenlos und vertraulich. Erste Säule ist die Prävention. Das bedeutet: Schnelle Beratung bei ersten Mietrückständen und Abmahnungen. Zweite Säule der Arbeit ist die Krisenintervention mit Unterstützung des Netzwerkes, um fristlose Kündigungen und Räumungsklagen abzuwenden. Die Dritte ist die das Thema Vermittlung, bei der zwischen Mietern und Vermietern geschlichtet wird.
Die vierte Säule ist die Existenzsicherung, bei der die Klienten bei der Antragstellung für Wohngeld, Bürgergeld oder Mietübernahmen unterstützt werden. Die fünfte Säule ist die Nachsorge, bei der die Wohnsituation stabilisiert wird und weiterführende Hilfen vermittelt werden.
Die FBS Wohnraumsicherung wird vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung in Rheinland-Pfalz bis 2027 gefördert und von der Stadt Idar-Oberstein in Teilen mitfinanziert. Sozialarbeiterin Sina Sichert betont, dass die Arbeit der Fachberatungsstelle Wohnraumsicherung eine hochrentable Investition in die Zukunft der Betroffenen ist, aber auch den Kommunen und den Steuerzahlern bares Geld spart.
Verliert etwa eine Mutter mit Kindern die Wohnung, muss im Ernstfall die Kommune die Betroffenen ordnungsrechtlich unterbringen – im akuten Ernstfall auch in einer Pension oder eigenen Wohnung. Die Fortzahlung von Mietrückständen oder eine Intervention der Fachberatungsstelle ist oft um ein Vielfaches günstiger als eine monatelange Notunterbringung. Auch eine Zwangsräumung löst oft eine teure Kettenreaktion aus: Gerichtskosten, Anwaltsgebühren, Kosten für den Gerichtsvollzieher, Speditionen und die Möbeleinlagerung.
Wenn die Fachberatungsstelle zwischen Mietern und Vermietern vermittelt, werden diese Verfahren gestoppt. Das entlastet die Justiz und bewahrt auch private oder kommunale Vermieter vor uneinbringlichen Mietausfällen und Verfahrenskosten.
Ein wichtiges Thema ist auch: Wer seine Wohnung verliert, gerät in eine existenzielle psychische bzw. persönliche Krise. Unter diesen Bedingungen sind oft auch der Job und damit das Einkommen in Gefahr. Durch den Erhalt des Wohnraums bleiben Menschen stabil. Sie rutschen seltener in den Langzeitbezug von Sozialleistungen wie Bürgergeld ab oder können schneller wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.
Obdach- und Wohnungslosigkeit führen nachweislich zu schweren chronischen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Die Beratung verhindert gesundheitliche Krisen. Das senkt die Kosten für teure Notaufnahme-Einsätze, Krankenhausaufenthalte und psychiatrische Behandlungen, die andernfalls die öffentliche Hand oder die Sozialkassen belasten.
Einrichtungsleiterin Tanja Theis und ihre Stellvertreterin Christine Bauer, zuständig für die ambulanten Angebote der Wohnungslosenhilfe Obere Nahe, erklären: „Einen Menschen, der einmal auf der Straße oder im Heimsystem gelandet ist, wieder in den regulären Wohnungsmarkt zu integrieren, erfordert intensive und teure sozialpädagogische Begleitung. Prävention ist günstiger als Heilung. Ihr Fazit: Jeder Euro, der in die Fachberatungsstelle Wohnraumsicherung fließt, verhindert ein Vielfaches an Folgekosten für die Kommunen und die Solidargemeinschaft. Sie ist gelebter Wirtschaftlichkeitsfaktor.“