Bretzenheim | Sozialministerin Dörte Schall besucht Eremitage

Manuel Liesenfeld

Die Wohnungslosenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie (Skd) verzeichnet infolge des angespannten Wohnungsmarkts einen starken Anstieg junger wohnungsloser Menschen. Gleichzeitig steigt der Anteil derer, die mit psychischen Erkrankungen – unter anderem wegen Drogenkonsums – Hilfe in den Notunterkünften im Landkreis Bad Kreuznach suchen. Beim Besuch der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Dörte Schall (SPD) und des SPD-Landtagsabgeordneten Michael Simon in der Eremitage in Bretzenheim, sprachen sich die Verantwortlichen der Wohnungslosenhilfe deshalb für eine fachliche und gesetzliche Schärfung der Angebote und eine Stärkung des Personalschlüssels aus.

Sie betonten gegenüber der Ministerin die Notwendigkeit, Finanzierungs- und Zuständigkeitsstrukturen an die aktuellen Entwicklungen anzupassen. Die Zahl der Menschen mit komplexen Hilfebedarfen steige, während die bestehenden Finanzströme oft keine ausreichende Grundlage für flexible Unterstützungsformen böten. „Die bestehenden Finanzierungsmodelle passen vielfach nicht zu den tatsächlichen Bedarfen der Menschen, die bei uns Hilfe suchen“, erklärte Jennifer Möllers, Geschäftsbereichsleiterin Familien und Soziale Hilfe der Skd.

So gebe es beispielsweise Probleme bei der Kostenübernahme bei jungen wohnungslosen Erwachsenen, die noch unter die Jugendhilfe fallen, für die es aber keine passenden Angebote gebe. „Wir brauchen eine bessere Abstimmung zwischen den Kostenträgern und eine stärkere Orientierung an der Realität psychischer und sozialer Problemlagen“, so Möllers. So wäre die Eremitage bereit, einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Menschen zu legen, die aus der Psychiatrie entlassen wurden. Diese seien überdurchschnittlich oft von Obdachlosigkeit betroffen.

Generell beobachten die Fachleute ein steigendes Potential an Selbst- und Fremdgefährdung bei wohnungslosen Menschen. Allerdings sei bei den derzeitigen Finanzierungsvoraussetzungen nur jeweils eine Fachperson in der Unterkunft anwesend. In den Entgeltverhandlungen versucht die Stiftung deshalb, künftig zwei Mitarbeitende pro Dienst zu ermöglichen, um sowohl die Sicherheit als auch die Qualität der Betreuung zu gewährleisten. Darüber hinaus müsse die Prävention durch Beratung von Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht seien, genauso gestärkt werden wie die wichtige Arbeit der Streetworker.

„Unsere Mitarbeitenden leisten tagtäglich viel, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu stabilisieren“, sagte Eremitage-Leiter Heiner Trauthig. „Dafür brauchen sie nicht nur Anerkennung, sondern auch verlässliche Strukturen und angemessene Finanzierung.“

Die Eremitage besteht seit 1928 als Einrichtung für wohnungslose Menschen. Sie dient als Notunterkunft für den Landkreis Bad Kreuznach und bietet 51 Plätze. Mitarbeitende in den Bereichen Sozialdienst, Verwaltung und Seelsorge begleiten die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Alltag, unterstützen bei der Geldverwaltung, beim Einkaufen und achten auf gesundheitliche Stabilität. Dabei arbeiten sie eng mit Hausärztinnen und Hausärzten, Jobcentern, Sozialtherapien und Krankenhäusern zusammen. Ein Drittel der von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen sind Frauen – ein großer Teil davon lebt in verdeckter Wohnungslosigkeit.

Neben der Unterkunft bietet die Eremitage verschiedene Möglichkeiten zur Beschäftigung und Teilhabe. Seit 2022 ist das Café Löwenzahn fester Bestandteil des Hauses und Ort der Begegnung für die breite Bevölkerung. Bewohnerinnen und Bewohner der Eremitage arbeiten dort mit und erhalten für ihre Tätigkeit eine Motivationsprämie von einem Euro pro Stunde, finanziert durch Spenden. Das Angebot ermöglicht ihnen eine sinnvolle Tagesstruktur und soziale Kontakte.

Insgesamt hält die Wohnungslosenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie in Bretzenheim, Bad Kreuznach und Idar-Oberstein 164 Plätze bereit. Ein Kooperationsvertrag mit der Gewobau Bad Kreuznach ermöglicht die Chance auf eigenen Wohnraum. Rund 42 Prozent der Klientinnen und Klienten der Wohnungslosenhilfe können so in eigene Wohnungen vermittelt werden.