BAD KREUZNACH/OSTHOFEN. Das KZ Osthofen gehörte zu den ersten Konzentrationslagern, die das NS-Regime 1933 direkt nach der Machtübernahme eingerichtet hat. Der Bereich Berufliche Bildung in den Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen der Stiftung kreuznacher diakonie ist mit einer Gruppe Beschäftigter genau dorthin gefahren, um Antworten auf wichtige Fragen zu erhalten: „Warum hat niemand etwas dagegen getan? Wie konnte das passieren?“
Solche und andere Besuche dienen dazu, politische Bildung und Zusammenhänge zu vermitteln. An diesem Tag stand das Thema „Nationalsozialismus und die Verfolgung von Minderheiten“ im Mittelpunkt. Zwei speziell geschulte Guides empfingen die Beschäftigten, um sie behutsam an das schwierige Thema heranzuführen: „Was war das KZ Osthofen überhaupt? Wie sah der Alltag im Nationalsozialismus aus? Welche Menschen wurden dort gefangen gehalten und warum? Was geschah in diesen KZ? Besonders beeindruckend für die Gruppe war die Erkenntnis, wie schnell Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden können und welche Mechanismen der Ausgrenzung und Gewalt damals wirksam waren.
Beim „Bildertreff“ wurden historische Fotografien aus dem Jahr 1933 und Aufnahmen aus dem Alltag im KZ gemeinsam besprochen. Mit diesem Konzept sind die Teilnehmer nicht nur Zuhörer. Sie erschließen sich selbst, was damals geschehen ist. Anschließend gingen die Beschäftigten durch das ehemalige Konzentrationslager Osthofen. Dabei wurde geschildert, wie dort die Inhaftierten leben mussten. Kai Kneip aus der Werkstatt Bad Kreuznach 1 erfährt hier Neues: „Ich wusste nicht, dass es so etwas auch hier in unserer Nähe gegeben hat. Das macht mich sehr nachdenklich. Aber ich bin froh, dass hier zumindest keine Menschen getötet wurden. Das hatte mich im Vorfeld zu dieser Exkursion sehr beschäftigt.“
Politische Bildung
Zum Abschluss der Exkursion wurden vier „Erinnerungskisten“ präsentiert. In kleinen Gruppen konnten die Teilnehmenden die Kisten öffnen und die darin enthaltenen Gegenstände – wie Briefe, Fotos oder Alltagsgegenstände der Insassen – erkunden. Jede Gruppe bereitete anschließend eine kurze Präsentation vor, um den anderen zu erklären, was sie gefunden und über die Gefangenen gelernt hatten. „Die Kisten haben uns geholfen, die Geschichte zu verstehen“, sagte eine Teilnehmerin. „So konnten wir uns besser vorstellen, wie die Menschen damals gelebt haben und welche Schicksale sie erlebten.“
Kritisches Denken fördern
„Einigen unserer Teilnehmer ist der Nationalsozialismus und das NS-Regime kaum mehr ein Begriff. Es geht darum sich selbst eine Meinung zu diesen Themen zu bilden und kritisches Denken zu fördern“, betonen Mareen Petrick und Oliver Hammes, die als Bildungsbegleitende in den Werkstätten Meisenheim und Bad Kreuznach arbeiten. „Gerade in Zeiten, in denen demokratische Werte wieder infrage gestellt werden, ist es wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.“
Geschichte bleibt Gesprächsstoff
Die Gruppe kehrte voller Eindrücke zurück, über die in den kommenden Tagen auch im Alltag viel diskutiert und gesprochen wurden. Hammes: „Die Exkursion zeigte, wie wichtig es ist, „Geschichte erlebbar zu machen – besonders für Menschen, die oft wenig Zugang zu solchen Bildungsangeboten haben. Die KZ-Gedenkstätte Osthofen bot dafür einen eindringlichen Rahmen.“
