Einrichtungsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe Sonja Orantek geht in Rente

Sonja Orantek und ihre Nachfolgerin Sophie Klein

Sonja Orantek und ihre Nachfolgerin Sophie Klein

Professioneller Blick auf die Entwicklung der Jugendhilfe
 

Nach mehr als drei Jahrzehnten verlässt Sonja Orantek, Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe in Bad Kreuznach, tritt ihren Ruhestand an. Anlässlich ihres Abschiedes blicken wir gemeinsam mit ihr auf die tiefgreifenden Transformationen zurück, den dieser soziale Hilfebereich durchlebt hat.

Als Sonja Orantek in den 1990er-Jahren ihre Arbeit aufnahm – zunächst in der „Aussiedlerarbeit“, dann bei der Begleitung minderjähriger Flüchtlinge, steckte die moderne Kinder- und Jugendhilfe in einer Übergangsphase. Das Achte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) war gerade erst als neues Fundament in Kraft getreten. Es ging weg von rein bewahrenden, teils starren Fürsorgestrukturen, hin zu einer modernen, partnerschaftlichen und ressourcenorientierten Begleitung von Familien: „Heute stehen die Partizipation der Betroffenen, der konsequente Kinderschutz und die Stärkung der gesamten Familie im Mittelpunkt unseres Handelns“, erzählt die knapp 66jährige Fachfrau, die sehr genau verfolgt hat, wie sich der Bedarf nach professioneller Kinder- und Jugendhilfe in den vergangenen Jahren immer steiler nach oben entwickelte – und damit auch die Zahl der dringend gesuchten und hochwillkommenen Fachkräfte.

Sie sieht wie schwer es heute für viele Eltern und Kinder ist, einen guten und sicheren Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu gehen. Der Druck und die vielen Erwartungen, aber auch Vorurteile machten es Vielen schwer, frühzeitig Beratung und Hilfe zu suchen. Ihr und auch ihrer Nachfolgerin Sophie Klein ist es wichtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. „Ich habe bei allen meinen beruflichen Stationen so viel von den Menschen gelernt, die ich professionell begleitet habe, - vielleicht manchmal mehr als ich ihnen geben konnte“, erzählt Orantek. Dabei ist spürbar, wie respektvoll sie die unterschiedlichen Lebenssituationen ihrer Klientinnen und Klienten betrachtet.

Sie sieht genau welche immer neuen gesellschaftlichen Herausforderungen Eltern, Kinder und Heranwachsende haben. Die Digitalisierung des Alltags, veränderte Familienmodelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche, veränderte Rollenbilder sind gerade für die besonders herausfordernd, die noch nicht oder nicht mehr sicher genug im Leben stehen. 

Sie freut sich, dass die Kinder- und Jugendhilfe in Bad Kreuznach mit ihrer Nachfolgerin Sophie Klein gut auf die vielen Herausforderungen eingestellt ist. Sie lächelt und sagt: „Schließlich haben wir den Auftrag, diese Gesellschaft positiv zu verändern.“

Bildnachweis: Stiftungen kreuznacher diakonie/Andrea Djifroudi