Werkstätten haben ihn unterstützt – Genesungsbegleiter blickt dankbar zurück
BAD KREUZNACH. Beim Abschied auf der Bühne im Luthersaal der Stiftung kreuznacher diakonie muss Manfred Welschbillig ein bisschen schlucken. Aber auch die Umstehenden haben nicht nur eine Urkunde, Blumen und ein Geschenk in der Hand. Es sitzt auch ein Kloß im Hals. Der 65-Jährige war bundesweit der erste ausgebildete Genesungsbegleiter und geht nun in Rente.
GenesungsbegleiterInnen wie Manfred Welschbillig haben selbst Psychiatrie-Erfahrungen und können sich deshalb gut in die Situation anderer Betroffener einfühlen. Als Menschen, die Gleiches bzw. Vergleichbares durchlebt haben, begleiten sie Menschen beim Behandlungs- und Genesungsprozess (Recovery) und unterstützen bei der Entwicklung wirksamer Bewältigungsstrategien. In Gruppen- wie in Einzelgesprächen motivieren sie die Betroffenen dazu, eine genesungsfördernde Haltung zu entwickeln. Auch bei der Bewältigung des Alltags leisten sie konkrete Hilfe – sei es bei Behördengängen, Arztbesuchen oder der Haushaltsführung. Schritt für Schritt sollen die Betreuten so die Fähigkeit zum selbstbestimmten Handeln wiedergewinnen (Empowerment) und wieder aktiv am Leben teilhaben. Darüber hinaus fungieren sie auch als Übersetzerinnen und Übersetzer zwischen dem Behandlungsteam, Angehörigen und Betroffenen.
Manfred Welschbillig hat so den Weg vom Beschäftigten zum Mitarbeiter der Werkstätten geschafft und auf diesem Weg vielen anderen geholfen: „Ich hatte selbst am Anfang viele Vorurteile, aber ich habe in den Werkstätten Unterstützung, Sicherheit, Struktur und Begleitung erfahren.“ Sascha Richter, Bereichsleiter „Arbeit & Qualifizierung“, dankte ihm für die geleistete Arbeit: „Werkstatt-Träger sind immer auf der Suche nach Themen, die die eigene Einrichtung zu einem besonderen Ort machen. Mit Manfred Welschbillig als Genesungsbegleiter waren wir Vorreiter mit einem ganz besonderen Peer-Konzept für unsere Klientinnen und Klienten. Ich durfte Herrn Welschbillig als ganz bescheidenen und engagierten Menschen kennenlernen, der sich zudem über viele Jahre auch im Werkstattrat engagiert hat. Wir sind ganz stolz und wünschen ihm für den Ruhestand alles Gute!“ Einen Nachfolger hat die Stiftung kreuznacher diakonie bereits gefunden. Er absolviert aktuell die Ausbildung zum Genesungsbegleiter.
