Trauer und Solidarität mit Opfern in Stade
BAD KREUZNACH. Der jüngste, tödliche Übergriff in einer Jugendhilfe-Einrichtung in Stade (Niedersachsen) mit sechs Toten lässt uns als Träger fassungslos und in tiefer Trauer zurück. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Kolleginnen der Getöteten und den Menschen vor Ort, die diesen traumatischen Vorfall verarbeiten müssen.
Niemand sollte Angst um sein Leben haben müssen, nur weil er anderen Menschen hilft. Das gilt in der Kinder- und Jugendhilfe, für Frauennothilfe, Wohnungslosenhilfe. Dort und auch in der Seniorenhilfe, den Hospizen und der Behindertenhilfe erleben wir und andere Träger wie die Gewalt – verbal und körperlich – wächst, so Jennifer Möllers, Geschäftsbereichsleiterin der Familien- und Sozialen Hilfen, Monika Kolling, Geschäftsbereichsleiterin der Seniorenhilfe, und Sebastian Matysek für die Behindertenhilfe.
Vorstand Pfr. Professor Dr. Holger Böckel stellt klar, dass hinter diesem aktuellen Fall eine bittere, strukturelle Realität steht. „Als Arbeitgeber tragen wir die gesetzliche Fürsorgepflicht, unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen. Als Träger übernehmen wir tagtäglich Verantwortung für den Schutz unserer Klienten.“ Jennifer Möllers benennt konkrete Maßnahmen: „Wir investieren seit Jahren – in Sicherheitskameras, Alarmsysteme und vor allem professionelle Deeskalationstrainings. Seit kurzem werden zusätzlich Taschenkontrollen in bestimmten Bereichen durchgeführt.“
Doch solche Präventionsmaßnahmen sind in den Pflegesätzen- und Budgets nicht gegenfinanziert. Sicherheit und Gewaltprävention werden im aktuellen Refinanzierungssystem wie ein „Luxusgut“ behandelt. Als Träger sozialer Einrichtungen gerät man so schnell in eine Zwickmühle. Der Vorstand macht deutlich: „Wir dürfen und werden unsere Teams nicht alleine lassen. Der Schutz von Klienten und Mitarbeitenden darf keine Frage des Budgets sein!“ Denn die Zahl der Gewalttaten gegen Helfer steigt – dazu zählen auch Polizisten, Rettungsdienste und weiteres medizinisches Personal. Die personellen und ökonomischen Folgen sind gravierend:
Nach gewaltsamen Vorfällen steigen die verletzungs- und psychisch bedingten Ausfallzeiten des Personals drastisch. „Manche Kollegen steigen komplett aus dem Beruf aus“, so die Erfahrungen der Expertinnen und Experten der Stiftung. „Hinzu kommt, dass unsere Mitarbeitenden Bezugspersonen für unsere Klienten sind, die man nicht so einfach durch fremde Kolleginnen austauschen kann.“
Die Kosten für die Schulung von Eigensicherung und psychologischer Gesprächsführung sind beträchtlich. Solche Schulungen sind aber essentiell notwendig, um der wachsenden Aggressivität begegnen zu können. Einen lückenlosen Schutz bieten sie leider nicht – wie die Tötungen in Stade zeigen. Prof. Dr. Böckel betont: „Wir trauern um die Kolleginnen und Kollegen und danken allen, die weiter in Not geratenen Menschen professionelle Hilfe und Beratung geben.“