Freiwilliges Soziales Jahr in der Behindertenhilfe
BAD SOBERNHEIM. Nach der Schule direkt ins Studium oder in die Ausbildung? Amrei Bütow wollte vorher noch etwas für andere tun und dabei auch etwas über sich selbst erfahren. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bei der Stiftung kreuznacher diakonie ermöglicht genau das. Kurz vor dem Ende dieses einen Jahres in der Wohneinrichtung der Behindertenhilfe in Bad Sobernheim auf dem Hüttenberg zieht sie Bilanz.
Ein FSJ in der Behindertenhilfe ist weit mehr als eine Überbrückung: Es ist eine wertvolle Erfahrung, die persönliche Weiterentwicklung fördert und vielleicht den Grundstein für eine Karriere legt. „Wenn ich etwas von den Menschen gelernt habe, dann ist es im Moment zu leben, ohne sich ständig Gedanken über die Zukunft zu machen. Ich hoffe, ich kann das mitnehmen. Ich habe mehr Selbstbewusstsein entwickelt, stärker für mich einzustehen. Das hat mich richtig glücklich gemacht, ich habe Mut getankt.“ Amrei Bütow ist 20 Jahre, sie will Soziale Arbeit studieren, das Großstadtleben in einer Studentenstadt erkunden und in der Nähe ihrer großen Schwester sein. Sie ist eine junge Frau, die gut zu überlegen scheint, was ihre nächsten Schritte sein werden. Keine, die ohne Bedenken, einfach so loslegt: „Ich wollte mich sozial engagieren, etwas zurückgeben. Mit Menschen mit Behinderungen hatte ich vorher keine Berührungspunkte und war daher gespannt auf die Begegnungen mit den Menschen.“
„Die Bewohner sind unglaublich herzlich und offen – ohne Vorbehalte“, erzählt die Frau, die auch sich selbst austesten wollte und jetzt nicht nur über Menschen mit Beeinträchtigungen mehr weiß, sondern auch klarer benennen kann, was sie will und was nicht. Im Alltag bringt sie ihre Kreativität mit ein. Neben Malangeboten hat sie auch mit einer Bewohnerin gemeinsam deren Zimmer neu gestrichen und gestaltet. „Wir haben überlegt, wie das neue Zimmer aussehen soll, dann haben wir Farben, Pinsel und Abdeckfolie eingekauft und gemeinsam den Raum neugestaltet. Wir haben Musik gehört, gelacht und getanzt.“ Das klingt nach einer guten Zeit, nach Freiheit und loslassen – nicht nach geben und betreuen oder gar Mitleid. Amrei Bütow erzählt, dass durch die gemeinsame Arbeit am Zimmer, nicht nur eine Verbindung zwischen ihr und der Bewohnerin entstanden ist, sondern dass sie auch etwas mitnimmt: „Ich habe meinen Perfektionismus hintenanstellen und loslassen können. Es ist nicht alles regelbar, ich kann Dinge aus der Hand geben und wenn etwas schiefläuft, dann ist es halt so.“
Jetzt, gegen Ende des FSJ, ist für sie klar: „Ich will soziale Arbeit studieren und den Schwerpunkt Kunstpädagogik wählen. Ich will aber keinen Vollzeitjob in einer Einrichtung, sondern zu 30 Prozent auch etwas anderes arbeiten, zum Beispiel etwas Handwerkliches oder Organisatorisches“ Amrei Bütow wird bald aufbrechen und wieder etwas Neues erkunden: Großstadt- und Studentenleben, die neue Nähe zu ihrer Schwester und vielleicht auch ein neues Thema: die Arbeit in einer psychiatrischen Einrichtung. Das FSJ und ihre Erfahrungen nimmt sie mit, mutiger und selbstsicherer.
Info-Kasten:
Was das FSJ in der Behindertenhilfe bietet:
• Berufliche Orientierung: Einblicke in pädagogische und pflegerische Berufe.
• Persönliche Weiterentwicklung: Soziale Kompetenzen stärken und eigene Grenzen kennenlernen.
• Leistungen: Zahlung eines monatlichen Taschengeldes, kostenlose Seminare und pädagogische Begleitung.
• Anerkennung: Oft als Vorpraktikum für soziale Studiengänge oder Ausbildungen anerkannt.
Ansprechpartner für FSJ-Interessenten bei der Skd:
Alexandra Lunkenheimer, Telefon 0671/605 2363