Lösungen für junge Menschen ohne Dach über dem Kopf finden

Diakon Jürgen Schuck, Doris Häfner-Kairo, der Vorstand Soziales der Stiftung kreuznacher diakonie, Sven Lange, Jennifer Möllers, Landrätin Bettina Dickes (2. von rechts)

Diakon Jürgen Schuck, Doris Häfner-Kairo, der Vorstand Soziales der Stiftung kreuznacher diakonie, Sven Lange, und Jennifer Möllers informierten Landrätin Bettina Dickes (2. von rechts) über den Bedarf an Angeboten speziell für junge Wohnungslose.

Im Stadtbild fallen sie nicht auf und doch ist das Problem immens: Die Zahl der junger Menschen, die in die Obdachlosigkeit rutschen, wächst stetig an. Die Stiftung kreuznacher diakonie schlägt Alarm. Im Kreis Bad Kreuznach will Landrätin Bettina Dickes zeitnah die Vertreter des Sozial- und des Jugendamtes in der Kreisverwaltung an einen Tisch holen, um Strategien zu entwickeln, diesen Wohnungslosen eine Zukunft zu sichern. Bei einem Gespräch mit dem Vorstand Soziales, Sven Lange, Geschäftsbereichsleiterin Jennifer Möllers sowie der Leiterin der Wohnungslosenhilfe in Bad Kreuznach, Doris Häfner-Kairo, lenkten die drei den Blick auf junge Menschen in der Obdachlosigkeit. 22 Prozent derer, die im Kreis Bad Kreuznach kein Dach über dem Kopf haben, sind in der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre zu finden – die größte Gruppe, die von der Wohnungslosenhilfe beraten und betreut wird. Anträge auf Leistungen aus der Jugendhilfe werden oft abgelehnt. Die Hürden sind hoch: Die jungen Menschen müssen sich dazu bekennen, dass sie bei sich weiteren „pädagogischen Bedarf“ sehen und daher um Unterstützung bitten – kaum ein junger Erwachsener gibt so etwas freiwillig zu. Schließlich suggeriert das Erreichen der „Volljährigkeit“ ja endlich auch gewisse Rechte und Freiheiten. Der Bedarf an Beratung und Betreuung in dieser Altersgruppe ist enorm und mit dem Stellenanteil, den die Mitarbeitenden dafür haben, nicht wirklich zu stemmen.

Noch gelingt es, die vielen spendenfinanzierten Beratungsangebote für Wohnungslose aufrecht zu erhalten, „und wir sind auch bereit, diese Angebote weiter vorzuhalten“, betonte Sven Lange. Allerdings wünscht sich die Wohnungslosenhilfe schon seit langer Zeit präventive Beratungsarbeit. Eine Fachberatungsstelle, die mit allen betroffenen Behörden und insbesondere auch der Schuldnerberatung in Kontakt steht, könnte helfen, akute Nöte und den drohenden Verlust von Wohnraum im Vorfeld schon zu erkennen und dann auch zu verhindern. „Wer zur Schuldnerberatung geht, ist akut in Not und kann nicht warten“, weiß auch Bettina Dickes. Das Angebot der Wohnungslosenhilfe, weiterhin mit fachlicher Beratung zur Seite zu stehen, nahm sie mit auf den Weg zum nächsten Termin.