Impfungen für Menschen mit Behinderung haben begonnen

Bodelschwingh Zentrum der Stiftung kreuznacher diakonie Menschen mit BehinderungStiftung kreuznacher diakonie/Andrea Djifroudi

Impftermin für Mitarbeiter und Bewohner des Bodelschwinghzentrums Meisenheim.

Ein Jahr im Ausnahmezustand liegen hinter den Bewohnern und Mitarbeitenden des Bodelschwingh Zentrums in Meisenheim, wenn Ende Mai das Impfteam des DRK Kreisverbandes Bad Kreuznach seine letzte Spritze mit Impfstoff gesetzt hat. „Wir erhoffen uns ein Stück Normalität zurück“, so Mario Klein von der größten Einrichtung für Menschen mit Behinderung in der Stiftung kreuznacher diakonie. Am 19. April haben die Corona-Impfungen für die ersten Bewohner begonnen.

Im Bodelschwingh Zentrum leben und arbeiten mehr als 380 Menschen mit geistigen Behinderungen, mit mehrfachen Schwerstbehinderungen, mit Verhaltensauffälligkeiten und mit Autismus-Spektrums-Störungen. Menschen, die klare Strukturen und feste Routinen brauchen, um sich wohl und zu Hause zu fühlen. Solche Routinen wurden seit dem Beginn der Pandemie über den Haufen geworfen. Die Schließungen von Schulen, Förder- und Werkstätten haben die Tagesabläufe durcheinandergebracht. Dass zudem Physio- und Ergotherapeuten mal kommen durften und dann wieder nicht, forciert das gefühlte Durcheinander. Maskenpflicht, Abstandsregeln und Corona-Testungen  durch Fremde in Vollschutzkleidung, die aussehen wie von einem anderen Stern, verunsichern und verängstigen Bewohner, die ihre gewohnten Bezugspersonen brauchen. Ausgangsperren und Quarantänemaßnahmen machen Angst und lösen Aggressionen aus. Und inzwischen kann wirklich Jeder nachvollziehen, dass diese Situation eine Herausforderung ist, weil man das Gefühl hat, die Decke fällt einem auf den Kopf – egal ob man begreift, was eine Pandemie ist oder nicht.

Mario Klein ist ein Einrichtungsleiter im Bereich Soziale Teilhabe Meisenheim 4. Im Bodelschwingh Zentrum, das am Stadtrand von Meisenheim liegt, arbeiten insgesamt 538 Mitarbeitende, davon sind 379 in den Wohnbereichen, die übrigen sind in der Verwaltung bzw. den Werkstätten und der Schule sowie der Tagesförderstätte beschäftigt.

Die Mitarbeitenden haben in den vergangenen Monaten teils mit sehr hohen persönlichen Einschränkungen und  großem Engagement, die ihnen anvertrauten Menschen betreut und begleitet. Dass Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in der Impf-Priorität „ziemlich weit hinten“ einsortiert wurden, hat viele Mitarbeitende entsetzt und frustriert. „Wenn wir jetzt geimpft werden, ist das eine große Erleichterung“ erklärt Klein. Er blickt auf den hohen Aufwand zurück, den es ihn und seine Mitarbeitenden neben der täglichen Arbeit mit den Bewohnern gekostet hat, um all die bürokratischen Hürden zu nehmen, „das Haus impfbereit zu melden“. Denn die Betreuer der Bewohner mussten entsprechend angeschrieben und um eine Einwilligung gebeten werden. „Dann kam der Astrazeneca-Impfstopp und wir mussten die Abfrage erneuern und entsprechende Rückfragen der Angehörigen bzw. der Betreuer beantworten“, erzählt Klein ausschnittweise von dem bürokratischen Hürdenlauf. Er freut sich: „Insgesamt mehr als 5000 Blatt Papier sind nun ordnungsgemäß ausgefüllt und dokumentiert. Ende Mai ist dann der größte Teil der Mitarbeitenden und Bewohner entsprechend geschützt. Das ist für uns ein großer Schritt.“

Auch für Holger Griebel, Geschäftsbereichsleiter Behindertenhilfe, ist das ein guter Startschuss: „Denn in den kommenden Wochen werden alle Einrichtungen für Menschen mit Behinderung durchgeimpft. Dazu zählen die Häuser und Einrichtungen in Bad Sobernheim, die Asbacher Hütte im Hunsrück, die Einrichtungen in Birkenfeld, Rhaunen, Mainz-Gonsenheim und die Häuser auf dem Campus der Stiftung kreuznacher diakonie in Bad Kreuznach. Damit können auch die Menschen geschützt werden, die sich nicht selber schützen können und deren Inklusion durchaus in Gefahr war.“