"Ich gewinn, egal ob ich letzter, zweiter oder erster bin"

Wer kennt sich aus mit Frisbee-Golf, Hau-wech-die-Scheibe und Flitzepuck? Die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Ferienprogramm des Geschäftsbereichs Behindertenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie wissen nach dem dreitägigen Special-Olympics-Programm, wo’s drauf ankommt. Sie konnten sich im sportlich-spielerischen Wettkampf ausprobieren und neue Spiele kennenlernen, bei denen es auf Geschick, Kraft und Geduld ankam. Als älteste Teilnehmerin mischte selbst die 87-jährige Vera Riegel mit. „Es war einfach für jeden was dabei“, berichtet Stefanie Kötz. Die Rollstuhlfahrerin wohnt im Haus Paulinum und nutzte die Ferienzeit der Werkstatt, um am Freizeitprogramm teilzunehmen. „Beim Krocket war bei mir der Ball weg, so schnell konnte ich gar nicht gucken“, sagt sie. Macht nichts: Jürgen Erdmann-Feix, Sportexperte im Fachdienst Freizeit, Bildung, Sport und organisatorischer Kopf der Veranstaltung, ließ sich für jedes Spiel Varianten einfallen, sodass alle – egal mit welchen Voraussetzungen – auf ihre Kosten kamen. „Ich habe eine Schaumstoffscheibe bekommen, die konnte ich gut durch die Tore schießen“, freut sich Stefanie Kötz.

Das sportlich-spielerische Turnier, zu dem sich die Aktiven draußen und in der Theodor Fliedner Halle trafen, fand in Kooperation mit „Special Olympics Rheinland-Pfalz“ statt. Der Landesverband der weltweit größten Sportorganisation für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung bietet sportliche Programme, Wettbewerbe und Veranstaltungen an, bei denen Menschen mit Behinderungen sportlich ihr Bestes geben und Erfolg und Gemeinschaft erleben. Jürgen Caspary, Koordinator für die wettbewerbsfreien Angebote des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, war erstmals in Bad Kreuznach dabei. „Die Pandemie lässt keine Großveranstaltungen zu. So kommen wir dieses Jahr in die Einrichtungen vor Ort.“

Den Auftakt der special-olympischen Veranstaltung machte der Wettkampf im Frisbee-Golf, wo sich Mehmet Karadana die Goldmedaille sicherte. An den beiden folgenden Tagen kreuzten die Teilnehmer*innen bei den wettbewerbsfreien Angeboten die Klingen: Hier ging es vor allem um Gemeinschaft, Emotionen und persönliche Erfolgserlebnisse. Alle Teilnehmenden erhielten eine Urkunde und eine symbolische Medaille. Bei der abschließenden Hymne der Special Olympics floss auch manche Träne: „Ich gewinn, ich gewinn, egal ob ich letzter, zweiter oder erster bin.“ Auch für Stefanie Kötz, die wie ihre Mitstreiter lange unter den Corona-Einschränkungen gelitten hat, stand die Gemeinschaft im Mittelpunkt: „Gut, dass wir alle geimpft sind, sodass wir jetzt auch die Leute aus den anderen Gruppen wieder treffen können.“