Darmkrebsmonat März | „Wenn man leben will, dann muss man da durch“

„Krebs, das ist doch nur ein Wort. Eine Möglichkeit, mit der man rechnen muss, wenn man schon etwas älter ist“, findet Renate Scholz. Echt cool, die 1,50 Meter große Kämpferin aus Bad Kreuznach. Gerade mal drei Wochen nach der Entfernung des Darmkrebses, mit einem noch frischen Stoma (künstlicher Darmausgang), kommt sie zur Sprechstunde von Oberarzt Mohammed Ibrahim Froka, dem neuen Bauchchirurgen in der Abteilung Chirurgie von Dr. Eckart Bader am Diakonie Krankenhaus.  Vor drei Wochen wurde ihr ein tiefsitzender, komplexer Tumor aus dem Enddarm entfernt.

Auch die Monate davor waren kein Zuckerschlecken für die 71-Jährige. „Im August hatte ich Bauchschmerzen, so stark, dass ich in die Notaufnahme des Diakonie Krankenhauses ging. Da hat man direkt getastet, dass etwas nicht stimmt.“

Die Darmspiegelung bestätigte den Verdacht auf einen bösartigen Tumor. Es folgten zunächst Strahlentherapie und Chemotherapie, um den Tumor zu verkleinern und in Vorbereitung auf die Operation zu stabilisieren. Für Dr. Markus Höcker, Leiter der Endoskopie in der Abteilung Innere Medizin von Dr. Mathias Elsner, eine recht typische Abfolge, denn die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen und der wöchentliche Austausch im Tumorboard ist gelebte und bewährte Praxis bei der Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen. „Dort fasst man das Wissen unterschiedlichster Disziplinen zusammen – im Interesse einer bestmöglichen Diagnostik und Therapie“, so Höcker. Zu den regelmäßig vertretenen Fächern gehören Gastroenterologie, Viszeralchirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie;  je nach befallenem Areal kommen weitere Fachbereiche dazu.

Im September unterzog sich Renate Scholz zum ersten Mal einer OP, denn aufgrund der Krebserkrankung war auch ein gynäkologischer Eingriff erforderlich. „Das war gar nicht schlimm, das ging durch die Bauchdecke, kein Schnitt, da war ich schnell wieder fit“, berichtet sie wie von einem Spaziergang mit leichtem Regen. Nachdem alles gut verheilt war, beseitigten die Chirurgen am 9. Januar den Tumor im Darm. Diesmal war ein Bauchschnitt erforderlich. Und ein künstlicher Darmausgang war aufgrund der Lage des Krebses unvermeidbar. „Wenn man leben will, dann muss man da durch“, sagt die gebürtige Norheimerin gefasst. Mit dem künstlichen Darmausgang kommt sie gut zurecht. „Das habe ich mir erklären lassen, und mit den Klebeverbänden kann ich den Ausgang sehr gut selbst versorgen.“ Mittlerweile ist sie schon gut zu Fuß unterwegs. Und das, obwohl auch nach der OP eine weitere Chemo erforderlich ist, um die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr des Krebses zu verringern. Danach geht sie zur Reha in die Nahetalklinik. Alles vor der Haustür sozusagen. Nur eines tut der rüstigen Witwe leid: „Dass ich nicht früher zur Darmkrebsvorsorge gegangen bin. Das hätte mir vieles erspart.“

Vorsorge rettet Leben

Trotz der Verbreitung von Darmkrebs – es ist die zweithäufigste Krebsform hierzulande – sind wir ein Land der Vorsorgemuffel. Dabei sollten Menschen ab dem 50. Lebensjahr jährlich einen Stuhltest auf verstecktes Blut machen lassen. Ab dem 55. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Darmspiegelung (Vorsorgekoloskopie) und nach zehn Jahren die für eine Kontrollspiegelung (bei auffälligen Befunden auch häufiger). Vor einer Darmspiegelung muss der Patient eine Abführlösung zu sich nehmen, aber das ist schon der unangenehmste Teil der Prozedur. Bei der eigentlichen Spiegelung verwenden die Gastroenterologen Schlaf- und Schmerzmittel, der Patient bekommt davon nichts mit. „Darmkrebs im Frühstadium ist zu nahezu 100 Prozent heilbar“, wirbt Dr. Markus Höcker für einen aktiven Umgang mit dem Thema Vorsorge. „Denn so gut die Zusammenarbeit mit den Chirurgen um den Kollegen Froka auf unserer gemeinsamen Bauchstation klappt: Je weniger Krebserkrankungen operiert werden müssen, umso besser für die Patienten.“