Bad Kreuznach | Werkstatt-Beschäftigte sind fester Teil des Krankenhaus-Betriebs

Stiftung kreuznacher diakonie/Andrea Djifroudi

Rund 40 Jahre wird in den Diakonie Kliniken Inklusion gelebt

BAD KREUZNACH. Krankenhäuser funktionieren wie Uhrwerke. Viele Räder müssen ineinandergreifen, damit Patienten optimal versorgt werden können. Dabei gibt es neben ÄrztInnen und dem Pflegepersonal viele Menschen, deren Arbeit man nicht sieht, die aber trotzdem dazu beitragen, dass das System reibungslos funktioniert. In den Diakonie Kliniken Bad Kreuznach in der Ringstraße gibt es seit rund 40 Jahren ein ganz besonderes Inklusionsprojekt, das den Betrieb des Krankenhauses unterstützt: Die so genannte Krankenhaus-Gruppe der benachbarten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. 

16 Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten hier – reinigen Flure und Arztzimmer oder bringen Patientenakten von A nach B und medizinische Proben von den Stationen ins  hauseigene Labor. Allen gemeinsam ist, dass sie sorgfältig und gewissenhaft ihre Arbeit machen und wahnsinnig stolz darauf sind, Teil des Teams im Krankenhaus zu sein. Nina Riedel ist eine von ihnen: „Mir macht die Arbeit Spaß. Alle sind sehr freundlich zu mir.“ Wie alle anderen Beschäftigten hat die 27-Jährige vor ihrem Einstieg, verschiedene Praktika und Schulungen der Beruflichen Bildung in den Werkstätten durchlaufen, damit sie in Sachen Brandschutz, Hygiene und Datenschutz fit ist. Seit 2017 ist die ehemalige Absolventin einer Förderschule hier ins Arbeitsleben integriert. Und wenn es doch mal Probleme geben sollte, gibt es Gruppenleiterin Nicole Berelsmann, die dort vermittelt, wo es auch schon mal Missverständnisse gibt. 

Auch Pia Fischer und Christiane Kleinbauer haben hier ihre berufliche Heimat gefunden. Beide wollen nirgendwo anders sein. Nicole Berelsmann erklärt, warum: „Sie fühlen sich hier sicher und bekommen viel Lob für ihre Arbeit!“ Die 50-jährige Christiane Kleinbauer lebt selbstständig und weiß, dass sie ihren eigenen Rhythmus braucht: „Stress ist nichts für mich. Ich mache immer dieselben Arbeiten.“ Dazu gehört es, dass die Bereitschaftszimmer immer sauber sind. „Dann werde ich fleißiges Bienchen genannt. Das finde ich schön!“ 

Pia Fischer ist ziemlich gerade heraus, aber auch die 57-Jährige würde diesen inklusiven Arbeitsplatz gerne bis zu ihrer Rente behalten. Sie ist ein offener Mensch und hat auch viele Kontakte zum medizinischen Personal auf den Stationen. Zwar ist die Krankenhaus-Gruppe immer noch Teil der Werkstatt, doch für sie ist die sinnstiftende Arbeit im Krankenhaus ein echter Booster für das eigene Selbstbewusstsein. Denn sie alle helfen mit, dass sich die Patienten hier sicher und gut versorgt fühlen können. 

Michaela Marquis von der Hauswirtschaftsleitung der Diakonie Kliniken ist sehr zufrieden: „Sie sind wirklich sehr engagiert.“ Und Nicole Berelsmann weiß, dass die Arbeit hier auch ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt sein kann. Mindestens zwei der Beschäftigten haben den langen Weg in die Inklusion geschafft. Die Inklusion im Krankenhaus ist für sie etwas sehr, sehr Besonderes. Alles läuft so reibungslos, dass es fast wie eine Selbstverständlichkeit wirkt: „Das ist es aber nicht. „Vermutlich gibt es nur wenige Krankenhäuser in Deutschland, die mit einem solchen Projekt aufwarten können.“