Bad Kreuznach | Tag der Organspende am 4. Juni setzt ein Zeichen

Eine Person zeigt einen OrganspendeausweisAdobe_Stock_47061832

Es ist „Zeit, Zeichen zu setzen“ – ist das Motto des seit 1983 durchgeführten Tag der Organspende. Diese Zeichen können groß und auffällig sein, aber auch klein und leise und dennoch viel bedeuten – wie die Bereitschaft, Organspender zu werden. Am 4. Juni finden jährlich Veranstaltungen statt, die über dieses Thema aufklären. Dass eine Organspende ein wertvolles Geschenk ist, das eine Chance auf ein neues Leben bietet, weiß auch der Oberarzt der Neugeborenen- und Kinderintensivstation, Dr. med. Edmondo Hammond, der neben Hardy Koßmann und Dr. Daniel Hass in den Krankenhäusern der Stiftung kreuznacher diakonie in Bad Kreuznach und Kirn als Transplantationsbeauftragter arbeitet.

Wie wird mit dem Thema Organspende bei der Stiftung kreuznacher diakonie umgegangen?

Dr. Edmondo Hammond: An den Diakonie Krankenhäusern in Kirn und Bad Kreuznach gibt es drei Transplantationsbeauftragte. Sie setzen sich dafür ein, dass potenzielle Organspender erkannt und die notwendigen Schritte eingeleitet werden. Ziel ist es diese schnellstmöglich an die Deutsche Stiftung Organtransplantationen (DSO) zu melden und die Organspende strukturiert zu organisieren. Dabei sind zwei Dinge besonders wichtig: Der irreversible Hirnfunktionsausfall des Spenders muss eindeutig anhand der Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt werden und die Einwilligung zur Organspende muss vorliegen. Das heißt, unsere Transplantationsbeauftragten etablieren feste Abläufe für den Fall einer Organspende und schulen sowohl ärztliches als auch pflegerisches Personal. Auch Gespräche mit Angehörigen – falls kein Organspendeausweis vorliegt – gehören zu ihren Aufgaben.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Organspender zu werden?

Dr. Edmondo Hammond: Grundsätzlich kann jeder Organspender werden – eigenverantwortlich entscheiden kann man das, wenn man das 16. Lebensjahr vollendet hat, bei Kindern liegt die Entscheidung bei den Eltern. Am allerwichtigsten ist der Zustand des Organs. Dabei steht das Alter nicht so sehr im Vordergrund, wie man vielleicht denkt – es gibt kein Höchstalter. Kaum eine Erkrankung schließt eine Organspende aus. Im Rahmen medizinischer Untersuchungen wird festgelegt, ob das Organ brauchbar ist.

Wie werde ich Organspender?

Dr. Edmondo Hammond: Einen Organspendeausweis kann man ganz einfach online ausfüllen und herunterladen oder kostenfrei bestellen. Organe dürfen grundsätzlich nur dann entnommen werden, wenn die verstorbene Person im Laufe ihres Lebens einer Organspende zugestimmt hat. Dies kann in Form eines Organspendeausweises oder einer Patientenverfügung geschehen. Es gibt auch die Möglichkeit, nur bestimmte Organe und Gewebe für die Spende freizugeben. Diese verschiedenen Möglichkeiten können alle auf dem Organspendeausweis ausgewählt werden. Eine ärztliche Untersuchung ist nicht notwendig. Sollte es keinen zu Lebzeiten erklärten Willen des Verstorbenen geben, wird versucht, diesen Willen in Gesprächen mit den nächsten Angehörigen herauszufinden, was für diese häufig zusätzlich sehr belastend ist. Tragen Sie daher den Ausweis am besten immer bei sich.

Wie ist die grundsätzliche Einstellung der Menschen gegenüber einer Organspende?

Dr. Edmondo Hammond: Im Jahr 2020 hatten rund 39 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis. Die Zahl steigt, doch noch immer warten tausende Menschen auf ein Organ. Auf der Warteliste stehen in Deutschland rund 9.200 Personen. Grundsätzlich stehen 82 Prozent der Bevölkerung einer Organ- beziehungsweise Gewebespende positiv gegenüber. Viele Menschen entscheiden sich jedoch dagegen, weil sie Bedenken haben, im Krankheitsfall nicht die gleiche medizinische Betreuung zu erhalten wie Nicht-Organspender. Doch dem ist natürlich nicht so: Jeder Mensch, der in ein Krankenhaus kommt, wird mit dem Ziel behandelt, ihn zu heilen und Leben zu bewahren. Dies ist der oberste Grundsatz aller Mediziner.