Bad Kreuznach | Angehende Erzieher gestalten Krippe im Diakonie Krankenhaus

Wie würde Jesus heute in der Welt empfangen?

„Wo und unter welchen Bedingungen kommt Gott heute in die Welt?“ Dieser Frage nachzugehen, zum Nachdenken anzuregen, das sei das Ziel der unkonventionellen Krippe, die bis zum 6. Januar im Foyer des Diakonie Krankenhauses steht, so Krankenhausseelsorger Wolfgang Baumann anlässlich der Vorstellung der ungewöhnlichen Inszenierung der Geburtsgeschichte Jesu. Angehende Erzieherinnen und Erzieher der Fachschule für Sozialwesen der Stiftung kreuznacher diakonie haben in diesem Jahr die Krippe im Krankenhaus gestaltet. Rund um das Thema Graffiti, das ohnehin auf dem Stundenplan des Werkkundeunterrichts stand. Lebensgroße Figuren aus Holz entstanden, darunter viele Frauenfiguren – entsprechend dem weiblichen Überhang in der Oberstufenklasse. Auch unter den Heiligen Drei Königen sind Frauen. Statt Weihrauch, Gold und Myrrhe bringen sie als Geburtsgeschenke einen Tablet-PC mit prominent platziertem Markensignet und ein zeitsparendes „Happy Meal“. Maria und Josef(ine) schaukeln das Baby als gleichgeschlechtliches Paar. Als Schlafmöglichkeit und wahlweise Transportvehikel für das wenige Hab und Gut steht ein Einkaufswagen parat.

„Wir wollten eine sozialkritische Krippe“, sagt Ann-Catrin Röhr stellvertretend für die Schülerinnen und Schüler. Es gehe schließlich um Jesus und der sei auch unbequem gewesen. Dem pflichtet Pfarrer Baumann bei: „Mit Blick auf die Krippe stellt sich die Frage, auf wessen Seite sich der Mann aus Bethlehem heute gestellt hätte. Aus der Bibel wissen wir, er nahm stets Partei für die Kleinen und Geächteten. Wo stehen wir selbst? Auf wessen Seite stellen wir uns? Wie achtsam sind wir gegenüber denen, die Obdach suchen oder sonstige Hilfe brauchen, egal woher sie kommen?“

Keine bequemen Fragen. „Die Krippe will Anstoß geben, ist ein Widerspruch zum Establishment. In der künstlerischen Auseinandersetzung ist das nicht nur erlaubt, es ist gewollt“, sagt  Marcus Gräff, Lehrer an den Fachschulen für Sozialwesen, der den Entstehungsprozess betreute, der im August begann und erst einen Tag vor Krippenaufbau endete. Im dunklen Hintergrund der Krippe leuchten übrigens die Brückenhäuser von Bad Kreuznach. Die Geschichte spielt eben nicht fernab in Bethlehem, sondern bei uns vor der Tür.