BAD KREUZNACH. Der 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Der von den Vereinten Nationen ausgerufener Gedenk- und Aktionstag soll das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung schärfen. Die Werkstätten der Stiftung kreuznacher diakonie haben im Jubiläumsjahr der Werkstätten, das Arbeitsleben in den Fokus gestellt. In diesem Interview blickt Sascha Richter, einer der beiden Bereichsleiter, auf das, was sich in 50 Jahren Werkstätten-Geschichte getan an:
Wie haben die sieben Werkstätten entlang der Nahe das Jubiläumsjahr 2025 genutzt?
Sascha Richter: „Das bundesweite Jubiläum haben wir als Rahmen genutzt, um zu zeigen, wie die Arbeitsplätze von Menschen mit Behinderungen sich entwickelt haben und welchen Beitrag wir zur Teilhabe am Arbeitsleben leisten. Durch passende Gesetzgebung vor etwas mehr als 50 Jahren feierten auch unsere Werkstätten ihr großes Fest. In allen Betrieben fanden tolle und zum Teil ganz individuelle Events mit und für unsere Klienten statt. Eingebettet war das dann zum Beispiel in die großen Tage der offenen Tür im Betrieb Bad Kreuznach 1 oder auf der Asbacher Hütte. Das Fest in Kirn wurde zudem für die Feier zum 30-jährige Bestehen unserer Edelstahlgrill-Produktion genutzt. Hier gab es eine große Rabattaktion mit enormen Kundeninteresse, großes mediales Aufsehen und sehr viel positivem Zuspruch. Das hat allen gut getan.“
Was hat die Werkstatt-Beschäftigten noch bewegt?
Sascha Richter: „Ein weiteres Thema war der Ausbau unseres Betriebs in Bad Kreuznach für psychisch erkrankte Menschen. Nachdem in 2024 ein neues Lager eingeweiht wurde, haben wir in 2025 das Markthaus-Obergeschoss saniert und ausgebaut, sowie im Erdgeschoss eine neue Cafeteria eingeweiht. In Summe ein Millionenprojekt mit ganz viel Mehrwert für das Ankommen und Wohlbefinden unserer Beschäftigten. In Bad Sobernheim haben wir das zentrale Bildungszentrum gestärkt und bringen wieder häufiger Klienten aller Betriebe zu Qualifizierungsmaßnahmen zusammen, die sich beispielsweise auf die Werkstattregeln, politische Bildung, soziale Kompetenzen oder Hauswirtschaft beziehen.“
Selbstbestimmung und Selbstvertretung sind seit jeher große Themen der Stiftung kreuznacher diakonie. In 2025 wurde doch gewählt?
Sascha Richter: „Am 18. November wurde in den Werkstätten gewählt - Frauenbeauftragte und Werkstatträte an allen Standorten. Mitarbeitende wie Beschäftigte sind hier hoch engagiert. Es werden Vorstellungsvideos der Kandidaten gedreht, die Berufliche Bildung übernahm die Rolle des Wahlvorstands. Jetzt erfolgte eine sehr rührige Staffelübergabe vom alten auf das neue Mitbestimmungsgremium. Die Stiftung kreuznacher diakonie mit ihren sieben Werkstattstandorten und dem Inklusionsmanagement job|inklusivo hat hier schon auch besondere Aufwände – für uns überwiegt aber die große Vielfalt und das breite Interesse an der Sache. An so vielen Standorten und übergreifend mit Frauenbeauftragten und Werkstattrat besetzt zu sein, spricht für ein ganz großes Niveau aller beteiligten Beschäftigten und Mitarbeitenden.“
Á propos Inklusionsmanagement: Wo stehen die Initiativen der Stiftung hier?
Sascha Richter: „In den vergangenen drei Jahren haben immer wieder Klienten im Rahmen unserer Konzepte den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt gefunden. Wir beschäftigen weiterhin bis zu 90 Klienten auf ausgelagerten Einzelarbeitsplätzen. Die Beschäftigten der klassischen Werkstatt-Betriebe probieren sich regelmäßig in Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Am Ende mündeten diese Initiativen seit 2023 in fünf Vermittlungen ins Budget für Arbeit und sogar zweimal ins Budget für Ausbildung. Letztgenanntes Konzept existiert noch nicht so lange. Auch hier waren wir einer der Vorreiter. Das Gesamtpaket ist weiterhin auffallend gut.“
Was sind die Themen der näheren Zukunft?
Sascha Richter: „Die Agentur für Arbeit als Anerkennungsbehörde und wichtigster Kostenträger in der Beruflichen Bildung hat das Fachkonzept überarbeitet, auf welchem die Arbeit der Werkstattträger dann basiert. Hier geht es zum Beispiel um mehr bundesweite Standardisierung, mehr Qualität und Qualifizierungsmaßnahmen sowie eine stärkere Ausrichtung auf die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt. Wir begrüßen das sehr und machen uns hier mit auf den Weg. Das passt gut zu den Vorhaben, die wir bereits im Vorfeld eigeninitiativ gestartet haben. In der Beruflichen Bildung werden wir in Kürze unser Talent-Räume-Konzept vorstellen. Hier geht es vor allem darum die Trainingsinhalte auf die Themenfelder abzustimmen, die auf dem Arbeitsmarkt die höchste Nachfrage erfahren. Wir fokussieren uns – und damit gelingt ein passgenaues individuelles Qualifizierungsangebot von Basis-Schulungen bis zum Zertifikatslehrgang.“
