Ein wunderbares Geschenk

Ein Artikel aus der "offenen tür", Ausgabe 4/2017

Morgens um 3.30 Uhr klingelt bei Beate Friedrich der Wecker. Frühschicht. Zeit, von der Rheinpfalz ins Diakonie Krankenhaus in Bad Kreuznach aufzubrechen.
„Meist mache ich das gern“, sagt die 48-Jährige. „Denn ich stehe auf für etwas, das Sinn ergibt, und begleite den Anfang von etwas ganz Neuem. Das ist toll, auch nach 20 Jahren im Beruf.“

Nach einer Tischlerlehre entschloss sich Beate Friedrich, die Weichen anders zu stellen, begann in Speyer eine dreijährige Ausbildung zur Hebamme. Mittlerweile habe sich das Berufsbild stark verändert, die Akademisierung sei zeitverzögert auch in Deutschland auf dem Vormarsch.

Beate Friedrich begrüßt diese Entwicklung, hofft, dass sich dadurch mehr junge Frauen für den Hebammenberuf entscheiden. Auch die Haltung der werdenden Mütter zu Schwangerschaft und Geburt ist heute eine andere. „Wenn die Frauen sechs bis acht Wochen vor der Geburt zu uns zum Anamnesegespräch kommen, haben viele klare Vorstellungen, wie und in was für einem Umfeld sie gebären möchten. Und wir kommen ihnen dabei entgegen und unterstützen sie, damit es ein schönes Erlebnis für sie wird“, so Friedrich. Mit einer ganz neuen  Wochenstation, die diesem Gedanken Rechnung trägt, ist das jetzt noch besser möglich als bisher. 

Aber eines stellt die leitende Hebamme, die rund 3.000 Geburten begleitet hat, doch unmissverständlich fest: „Eine Geburt ist kein Sonntagsspaziergang, sondern seit Urzeiten ein anstrengender, schmerzhafter Prozess. Wir begleiten diesen Weg Hand in Hand mit Ärzten und Pflegekräften. Und am Ende steht ein wunderbares Geschenk: ein ganz neues Leben.“

Beate Friedrich findet es schade, dass heute Schwangerschaft und Geburt oft nicht mehr als natürlicher physiologischer Vorgang begriffen werden, sondern Risikoaspekte die Frauen verunsichern. „Wir reden hier nicht über eine Krankheit, sondern über eine Fähigkeit von Frauen“, sagt sie. „Wo immer es geht, bestärke ich Frauen in ihrem Zutrauen in diese Fähigkeit.“ 

Zwar würden bei 67 Prozent der Schwangeren irgendwelche Risiken erfasst, was gut sei. Aber wenn der Opa Bluthochdruck habe oder eine 90-jährige Großtante Diabetes, heiße das nicht, dass das Kind gefährdet ist. „Und wenn der niedergelassene Gynäkologe zufrieden murmelt: ‚Das ist aber ein großes Baby‘, dann muss keine Frau Angst haben, dass in ihrem Bauch ein kleiner Elefant heranwächst.“ 

16 Hebammen tun derzeit abwechselnd Dienst in den vier Kreißsälen des Diakonie Krankenhauses. „So eine Geburt ist ein intimes Erlebnis“, sagt Friedrich. Bei sehr jungen Gebärenden – ihre jüngste war erst 13 Jahre alt – ist neben dem Partner oder der Partnerin meist die Mutter dabei, bei Sprachproblemen ein Dolmetscher, aber man hält den Kreis bewusst klein, „das ist nicht wie bei den Dokusoaps von RTL II“.

Sie und ihre Kolleginnen fragen bei der Anmeldung zur Geburt, ob die Frau bzw. die junge Familie eine Hebamme hat oder weitergehende Unterstützung braucht. In einem finanziell schwierigen oder einem nicht intakten familiären Umfeld kommt das oft vor.

Direkt nach der Geburt, in der so genannten U1-Untersuchung, prüfen die Hebamme oder ein Kinderarzt, ob die Atmung des Babys stimmt, die Reflexe funktionieren, irgendwelche Auffälligkeiten erkennbar sind. Ist alles okay bei Mutter und Kind, ist erstmal Ruhe angesagt. Während der ersten prägenden Stunden bleibt die Familie im Kreißsaal unter sich. Theoretisch können Mutter und Kind nach vier Stunden das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen. Aber empfohlen werden drei Tage, um noch eine weitere Untersuchung durch den Kinderarzt vornehmen zu lassen.

Ihr Kontakt

Beate Friedrich
Leitende Hebamme

Diakonie Krankenhaus - Bad Kreuznach
Ringstraße 64
55543 Bad Kreuznach

  Kontakt

  Anfahrt