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kreuznacher diakonie
Bad Kreuznach
     

    "Frühgeborenen-
    versorgung nicht dem freien Markt überlassen"

    Deutlich weitere Wege für die betroffenen Eltern und einen Verlust des Erfahrungsschatzes beim ärztlichen und Pflegepersonal. Das wäre das Ergebnis, wenn sich das Diakonie Krankenhaus nicht mehr um die Versorgung der Frühgeborenen kümmern könnte. Ein Interview mit Chefarzt Dr. Christoph von Buch.

    Verfügt das Diakonie Krankenhaus über ausreichend Erfahrungen mit Geburten von sehr kleinen Frühgeborenen?

    Dr. von Buch: Hier im Diakonie Krankenhaus werden seit Jahrzehnten Frühgeborene jeglichen Geburtsgewichtes und Reifestatus erfolgreich betreut. Sicherlich haben wir nicht die Fallzahlen großer Universitätskliniken. Dennoch besteht hier eine langjährige Erfahrung im Umgang mit diesen Kindern, was ich auch der Aufbauarbeit meines Vorgängers verdanke. Darüber hinaus haben wir mit der Entwicklung der Frühgeborenenmedizin Schritt gehalten und beispielsweise moderne Beatmungsgeräte wie den Hochfrequenzoszillator fest etabliert.

    Welche Qualifikationen beim Personal und welche Technik sind nötig, um die Frühgeborenenversorgung auf hohem Niveau zu garantieren?

    Dr. von Buch: Neben den Geräten, die dem besten Stand der Technik entsprechen müssen, lege ich großen Wert auf die Weiterbildung im Team. So finden regelmäßige Fallkonferenzen statt, bei denen die Behandlung berufsgruppenübergreifend besprochen wird.

    Darüber hinaus besteht mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum eine Kooperation in der Nachsorge und Elternvereine ermöglichen eine Unterstützung der Eltern und Kinder. Für mögliche operative Eingriffe bei diesen Kindern bestehen Kooperationen mit umliegenden Universitätskliniken, die teilweise sogar Operationen hier auf der Station in der Versorgungseinheit des Kindes möglich machen.

    Was würde die Verlegung der Frühgeborenen in eine Universitätsklinik für die Eltern und für Ihre Abteilung bedeuten?

    Dr. von Buch: Ein Aufgeben der Frühgeborenenmedizin hier in Bad Kreuznach würde für viele Eltern und die kranken Früh- und Neugeborenen deutlich weitere Wege bedeuten. Dazu kommen  die Unsicherheiten rund um die Geburt und ein möglicher Transport direkt nach der Geburt. Darüber hinaus ginge der wertvolle Erfahrungsschatz in der Betreuung kranker Neugeborener verloren. Insgesamt würde der Stand der Ausbildung im Team sinken und die Erfahrung in der Betreuung dieser Kinder geringer werden.

    Wie sollte man in der Versorgung der Frühgeborenen in Deutschland weiter vorgehen?

    Dr. von Buch: Bevor hier mit rigorosen Schritten eine komplette Änderung des etablierten Systems umgesetzt wird, was auch die momentan exzellenten Ergebnisse der gesamten Neonatalversorgung in Deutschland gefährden würde, plädiere ich für eine genaue Analyse der Untergruppen in der Neu- und Frühgeborenenversorgung. Anhand regionaler Daten sollten Versorgungsstrukturen gezielt aufgebaut werden. Die Versorgung von Frühgeborenen quasi dem freien Markt zu überlassen wird weder der Versorgungsqualität der Kinder noch dem Wunsch der Eltern nach einer wohnortnahen Versorgung gerecht.






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